Als wir 2013 die Ausstellung und die dazugehörige Website „Women and the Skateboard Business“ veröffentlichten, wurde das Thema Monate lang breitgetreten und in der Presse und den sozialen Medien diskutiert.

Jetzt ist es an der Zeit zurück zu blicken und fest zu halten, was sich denn seit dem getan hat. Es gab durchaus eine erfreulich positive Entwicklung.

Wir beginnen Ende 2016, kurz nachdem Lizzie Armanto es als erste Frau auf das Cover des „TransWorld SKATEboarding“ Magazins schaffte und zeitgleich allen klar wurde: Skateboarding wird tatsächlich eine olympische Disziplin und auch Deutschland will sich vorbereiten und an allen kommenden Events auf dem Weg nach Tokyo 2020 teilnehmen. Es werden sich gleich viele Frauen wie Männer dafür qualifizieren können. März 2017 wird neben einem Bundestrainer, auch die erste BundestrainerIN, der Sparte Skateboarding, fest angestellt.

Im Sommer besucht das deutsche Team einen Contest in Schweden in dem Vergnügungspark Pa Liseberg, wo es ein gleichhohes Preisgeld gibt. Katta Sterner, die gute Seele des Skateboardings und Mitorganisatorin, konnte das bei ihren männlichen Kollegen durchsetzen. Für uns, eine kleine Sensation.

Lizzie Armanto erhält bei Baker den Pro Status und kommt am selben Tag auf das Cover vom Thrasher Magazine. Leticia Bufoni wird in diesem Jahr in das Guinness Buch der Weltrekorde eingetragen, für die meisten World Cup Siege in Folge. Nike holt sich nur kurze Zeit nach Leticia, auch Leo Baker (damals noch Lacey) in das Nike SB Team und sorgt damit für eine Sensation, denn Leo skatet nicht nur auf Top Level Welt-Niveau, Leo präsentiert auch laut und deutlich die queere Szene.
Ein Schelm, wer da an geschicktes Marketing denkt, aber wichtig ist, was Leo daraus macht und da tut sich einiges, wie im Clip „Leo Baker | Against the Grain“ zu sehen ist.
Adidas
bringt Nora Vasconcellos mit Pro Status in ihr Global Team. In den nächsten Jahren wird ausser einem eigenem Schuhmodel, auch die passende Bekleidungsserie von ihr präsentiert.

Das Onlinemagazin SKATEISM wird zur Printausgabe und räumt mit Gender Clishés auf, gibt vor allem auch der queeren Skateboardszene eine Stimme und bringt spannenden Content über den Teil von Skateboarding, der sich angeblich „schwer vermarkten lässt“ und daher nur selten präsentiert wurde. SKATEISM hat eine Mission und das Magazin trifft mit seinen Inhalten genau ins Schwarze.

Anfang 2018 kommt ein kurzer Clip raus, der einige der Topfahrerinnen präsentiert und der spätestens jetzt zeigt, dass sich eine neue Art Selbstbewusstsein, in der Fem Skateboardszene breit gemacht hat – und sie liefern ab meine Freunde! In den nächsten zwei Jahren kommen Diverse Pro Model Decks, Schuhe, Rollen und Werbeanzeigen und Zeitungsinterviews heraus. Es werden Skatetouren dokumentiert und Videoparts herausgebracht.
Immer wieder mit dabei, ist Nora Vasconcellos.

Vor 20 Jahren hat Tony Hawk den 360 Loop gestanden und im August diesen Jahres, nun auch Lizzie Armanto.

In der Sportkommission Skateboard wird festgelegt, das bei den kommenden Regionalmeisterschaften das Preisgeld der Frauen, dem der Männer angeglichen werden muss. Equal Pay! Auch bei der offiziellen deutschen Meisterschaft, hat man es schon fast hinbekommen. Andere Contests ziehen nach.
Randnotiz: Bei den offiziellen Contests in Deutschland, verzichtet man künftig darauf die Herrencontests „A Gruppe“ und die Frauencontests „Girls Contest“ zu nennen. Jetzt ist nur noch von der Gruppe der „Frauen“ und der Gruppe der „Männer“ die Rede. Außerdem wird mit Nachdruck auch der Einsatz von weiblichen Judges empfohlen.
Ein weiterer Schritt, in die richtige Richtung.

Skate Kitchen kommt in die Kinos! Ein Film mit Rachelle Vinberg, Nina Moran, Jaden Smith u.a., der das Lebensgefühl und die Lebensumstände der jungen Frauen in zugespitzter, aber dennoch stets nachvollziehbarer und glaubwürdiger Art und Weise festhält.

Der Film hat so viel großartiges Feedback erhalten, das HBO eine kleine TV-Serie, basierend auf dem Film, produzieren will. Der Arbeitstitel der Serie lautet: „Betty“.

Das Thrasher Magazine wählt mal wieder den Skater des Jahres und unter 50 Kandidaten, gibt es immerhin auch eine Kandidatin: Nora Vasconcellos. Nein, sie ist es leider nicht geworden.

Wir lernen Atita Verghese kennen, die in Indien zusammen mit gleichgesinnten, eine weibliche Skateboardszene aufbaute und dafür sorgt, dass diese auch gesehen wird.

Vor einigen Jahren gab es einen Clip, zu der „Girl Skate India Tour“. 12 Fahrerinnen aus 9 Ländern skaten durch Indien und werden dabei gefilmt und interviewt, auch da war sie mit dabei.
Das passte an dieser Stelle gut, daher links noch mal das Video.

Vans werden immer tüchtiger im Support der Fem Skateboardszene und so schicken sie eine kleine Crew nach Indien, um dort gemeinsam mit den Fahrerinnen vor Ort, zu Skaten und gemeinsam Rampen zu bauen. Hier ein Artikel darüber.

Im Jahr 2019 beginnen die Qualifications für Tokyo und ausnahmslos jeder Event mit dem Worldskate „Stempel“ drauf, zahlt Frauen wie Männern, das gleiche Preisgeld aus. World Skate hat sich viel vorgenommen, was das Thema Gender Equality angeht.

Asiplanchaba präsentieren ihr Printmagazin Dolores, produziert von skatenden Frauen, über skatende Frauen. Mittlerweile sind drei Ausgaben erschienen.

Im März hat Vans nicht nur den Weltfrauen-Tag, sondern -Monat gefeiert und Europaweit Events auf die Beine gestellt, den neuen Schuh von Lizzy Armanto präsentiert und Stuff verteilt und Projekte unterstützt. Zur Erinnerung: In Berlin gab es riesige Werbeplakate von skatenden, jungen Frauen – du konntest nirgendwo hin, ohne an einer profi Skateboarderin vorbei zu laufen !!
Nebenbei hatten sie ihre eigene Eventserie, „House of Vans“. Drei Tage hier, drei Tage dort…in Berlin waren sie wie gesagt auch. Sie haben hier 50 Komplettboards an Mädchen verschenkt, die zuvor am Workshop teilgenommen haben. Helena Long (UK), Lucy Adams (UK), Shani Bru (FR) und Lizzie Armanto (FI) waren auch vor Ort.

In Deutschland gibt es noch immer einige Contests, die keine Notwendigkeit für Equal Pay sehen – da kommt es schon mal vor, dass Betroffene sich dann in den sozialen Netzen darüber auslassen.
Lassen wir das mal kommentarlos so stehen.

The Berrics ziehen mit beim Women Empowerment und geben bekannt: Es wird erstmalig ein „Women’s Battle At The Berrics“ stattfinden. Teilnehmerinnen waren:
Leo Baker (USA) vs. Mariah Duran (USA)
Leticia Bufoni (BRA) vs. Karen Feitosa (BRA)
Christiana Means (USA) vs. Chealsea Castro (USA)
Eliana Sosco (BRA) vs. Monica Torres (BRA)
Alexis Sablone (USA) vs. Nika Washington (USA)
Candy Jacobs (NED) vs. Jenn Soto (USA)
Margie Didal (PHL) vs. Adrianne Sloboh (USA)
Samarria Brevard (USA) vs. Liv Lovelace (AUS).
Gewonnen hat Monica Torres, die eine zweite Chance bekam, nachdem Candy Jacobs leider wegen einer Verletzung, nicht zum Finale erscheinen konnte.

Das Thrasher Magazine wählt wie jedes Jahr den Skater Of The Year und unter den 50 Kandidaten ist wieder Nora Vasconcellos, als einzige Frau dabei.

Diesen Flyer zu einem Bowl Contest (Sessão das Brabas no Bar 399)  in Brasilien, lasse ich mal unkommentiert. Wir lieben ihn! Gehört auch unbedingt in diesen Artikel!

Inspiriert vom Thrasher SOTY, lässt auch Suck My Trucks unter 50 Personen (überwiegend weibliche cis Personen, aber auch queere und nicht binäre), aus der ganzen Welt den/die Skater* Of The Year (*all colours, all genders) wählen. Gewonnen hat Candy Jacobs.

2020 geht direkt gut weiter, auch in Ghana werden Frauen und Skateboarding sichtbar gemacht. Die Mädels Skatecrew „Skate Gal“ hat einen feinen Artikel beim Vice Magazine bekommen.

Ende Februar erhalte ich eine Nachricht aus Brasilien. Renata Paschini (Associação Feminina de Skate und World Skate Judge) schreibt mir, das bei der Berlinale ein brasilianischer Dokumentarfilm, über eine junge Skateboarderin vorgestellt wird. „Meu nome é Bagdá“ lautet der Titel – Mein Name ist Bagdá. Als ich sie fragte, was sie darüber denkt, erzählt Renata, dass sie die Story an sie selbst erinnern würde. Heute mag das ganz normal sein, in Brasilien, als Mädchen oder junge Frau zu skaten, aber vor 30 Jahren war das ganz sicher noch nicht so und Renata wie auch Bagdá, haben einige Probleme in ihrem Alltag und mit der Familie zu klären, bevor sie wirklich Akzeptanz dafür finden.

An einem Mittwochabend, findet sich die Crew um SMT zusammen und beschließt:  Wir machen doch weiter und ergänzen unseren Contest sogar um eine weitere Kategorie:
Street für Trans und Non-Binary People.
Wir können nicht ohne und wollen wenn, dann auch jedes Jahr gern einen drauf setzen!

Am Weltfrauentag im März, starten wir inspiriert von Mona Linas Kampagne der #365FemaleMCs  unsere Reihe „365 Fem Skater“. Wir präsentieren euch dieses Jahr jeden Tag eine Person, die Skateboard fährt, die nicht cis-Männlich ist. Fem Skater steht hier also für die Abgrenzung zu cis-Männern im Skaten, also für Frauen, Queers, Inter, Non-Binäre, Transpersonen (FLINT).

— Das war’s —

Die letzten Jahre haben also eine starke Entwicklung mit sich gebracht und wir freuen uns auf viel, viel mehr. Lasst uns wissen, wenn ihr auch etwas zu erzählen habt.

Bis dahin, liebe Grüße
Euer SMT Team

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